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Schlüsselfertige Webseite: Wenn am Ende wirklich der Schlüssel passt

Mehrere alte Metallschlüssel liegen übereinander auf einer Holzoberfläche

Eine schlüsselfertige Webseite beginnt mit dem Gedanken an die Übergabe

„Die Webseite ist fertig.“ Dieser Satz fällt irgendwann in jedem Webprojekt und auf den ersten Blick scheint ziemlich eindeutig zu sein, was damit gemeint ist. Der neue Internetauftritt ist unter der richtigen Domain erreichbar, die Seiten lassen sich aufrufen, Bilder und Texte stehen an ihrem Platz und die Formulare sind eingebaut. Für den Auftraggeber bedeutet dieser Moment jedoch mehr als nur den technischen Livegang. Aus einem Projekt, an dem über Wochen oder Monate gearbeitet wurde, wird ein Teil des eigenen Unternehmens. Genau hier bekommt der Begriff „schlüsselfertige Webseite” seine eigentliche Bedeutung.

Für mich bedeutet „schlüsselfertig” nicht, dass möglichst viele Leistungen unter einem einzigen Paketnamen zusammengefasst wurden. Vielmehr beschreibt er einen Zustand, in dem der vereinbarte Internetauftritt so weit fertiggestellt, geprüft und organisatorisch geklärt ist, dass das Unternehmen ihn ohne weitere Recherchen übernehmen kann. Die Webseite funktioniert, die Zuständigkeiten sind bekannt und notwendige Zugänge wurden geregelt. Laufende Abhängigkeiten verschwinden nicht im Kleingedruckten. Der Auftraggeber übernimmt also keinen Webdesign-Prozess, den er nach der offiziellen Fertigstellung selbst zu Ende koordinieren muss.

Der Begriff stammt gedanklich aus einer anderen Welt. Wer einen Schlüssel für ein fertiggestelltes Gebäude übernimmt, erwartet nicht, am nächsten Morgen festzustellen, dass der Elektriker noch einmal kommen muss, eine Tür fehlt oder niemand genau weiß, wer für einen wichtigen Teil der technischen Ausstattung zuständig ist. Im Webdesign lässt sich dieser Vergleich nicht beliebig weit treiben, doch eine Idee daraus ist sehr treffend: Die Übergabe ist von Anfang an ein Ziel des Projekts. Sie wird nicht erst am letzten Tag organisiert, wenn die Webseite bereits fertig aussieht.

Das ist wichtig, da es für den Begriff „schlüsselfertige Webseite“ keinen fest definierten Branchenstandard gibt. So kann sowohl ein vorbereitetes System als auch eine individuell entwickelte Firmenwebseite schlüsselfertig übergeben werden. Während der eine Anbieter die Texte selbst schreibt, erwartet der andere, dass das Unternehmen fertige Inhalte liefert. Suchmaschinenoptimierung kann ein tief in die Seitenstruktur integrierter Bestandteil des Projekts sein oder sich lediglich auf die Anpassung von Seitentiteln und einigen technischen Einstellungen beschränken. Auch Hosting, Wartung, Bilder, Lizenzen oder die Betreuung nach dem Launch werden unter derselben Bezeichnung sehr unterschiedlich gehandhabt. Der Begriff allein beantwortet deshalb noch nicht die entscheidende Frage. Interessant ist, welche Leistungen am Tag der Übergabe tatsächlich fertiggestellt sind und beim Auftraggeber verbleiben.

Ein Mann arbeitet in einer Werkstatt an einer Schlüsselmaschine, im Hintergrund hängen zahlreiche Schlüssel Lose schwarze Tasten einer Computertastatur liegen übereinander, in der Mitte befindet sich eine große Enter-Taste

Viele Gewerke können beteiligt sein – die Verantwortung für den Zusammenhang sollte es nicht sein

Da eine Unternehmenswebseite heute so viele Fachbereiche berührt, ist der Begriff „alles aus einer Hand“ schnell missverständlich. Inhalte, Gestaltung, Suchmaschinenoptimierung, technische Umsetzung, Bildmaterial, Hosting, eventuell besondere Programmierung und je nach Projekt weitere externe Leistungen beeinflussen das Ergebnis. Daraus folgt für mich jedoch nicht, dass eine einzige Person alle Disziplinen selbst übernehmen sollte. Auch hochwertige Webprojekte benötigen mitunter zusätzliche Kompetenzen. Viel interessanter ist die Frage, wer dafür sorgt, dass diese Arbeiten sich nicht gegenseitig widersprechen und die Verantwortung an den Schnittstellen nicht beim Kunden landet.

Der Auftraggeber sollte nicht zum Polier seines eigenen Webprojekts werden

In diesem Fall ist ein Hausvergleich tatsächlich hilfreich. Ein Polier muss nicht alle Gewerke und Facharbeiten selbst ausführen. Seine Aufgabe besteht darin, das große Ganze im Blick zu behalten, Abhängigkeiten zu erkennen und dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Arbeiten zu einem gemeinsamen Ergebnis führen. Bei einer schlüsselfertigen Webseite sehe ich diese Verantwortung ähnlich. Wenn zusätzliche Programmierung, professionelle Fotografie oder eine juristische Frage außerhalb des Webdesigns notwendig wird, sollte die entsprechende Fachkompetenz hinzugezogen werden. Danach sollte der Auftraggeber aber nicht zwischen Programmierer, Designer, Texter und SEO-Verantwortlichem vermitteln müssen, da sonst niemand mehr den Zusammenhang des Projekts überblickt.

Gerade weil die einzelnen Bereiche einer Webseite nicht unabhängig voneinander sind, ist dieser Zusammenhang entscheidend. Ein verändertes Leistungsangebot kann Auswirkungen auf die Seitenstruktur haben. Eine neue Seitenstruktur beeinflusst die Navigation und die internen Verlinkungen, wodurch sich wiederum Anforderungen an die Inhalte und die Gestaltung ergeben. Die Entscheidung für eine bestimmte technische Funktion kann laufende Kosten oder externe Abhängigkeiten erzeugen. Bei einem Relaunch kann eine äußerlich vollkommen nachvollziehbare neue Struktur problematisch werden, wenn bei der Umstellung bestehende URLs und die vorhandene Sichtbarkeit nicht berücksichtigt wurden. Dies sind keine sechs getrennten Aufgaben, die unabhängig voneinander abgearbeitet werden können. Sie treffen immer wieder auf derselben Webseite aufeinander.

Deshalb beginnt der Gedanke an eine saubere Übergabe bereits bei der Entwicklung einer neuen Webseite. Nicht, damit vom ersten Tag an jedes Detail festgeschrieben wird, sondern damit Entscheidungen später noch nachvollziehbar und beherrschbar bleiben. Wenn ein System nur dann funktioniert, wenn ein bestimmter Dienstleister persönlich Zugriff auf einen einzelnen Account hat, ist die Ausgangslage eine andere als bei einer Lösung, bei der die Zuständigkeiten dokumentiert sind. Wenn wichtige Inhalte so eng mit einer speziellen technischen Konstruktion verbunden werden, dass spätere Änderungen unnötig kompliziert werden, wirkt sich eine frühere Entscheidung noch nach Jahren aus. Eine schlüsselfertige Webseite ist deshalb nicht automatisch vollständig, nur weil am Ende alle sichtbaren Flächen gefüllt wurden. Sie ist vollständig, wenn die unterschiedlichen Entscheidungen einen Zustand ergeben, den ein Unternehmen guten Gewissens übernehmen kann.

Aus dieser Perspektive verändert sich auch die Bedeutung von „From Scratch“. Eine neue Webseite startet nicht mit einem leeren Bildschirm, um anschließend möglichst viele Bausteine darauf zu verteilen. Sie startet mit einer offenen Ausgangslage, die Schritt für Schritt in einen belastbaren Unternehmensauftritt überführt wird. Während dieses Prozesses darf sich vieles verändern. Inhalte werden präziser, Prioritäten verschieben sich und manchmal zeigt sich erst während der Arbeit, dass eine ursprünglich geplante Lösung nicht die beste ist. Das Ziel bleibt dennoch dasselbe: Irgendwann wird Verantwortung übergeben. Je weniger zu diesem Zeitpunkt nachträglich erklärt, korrigiert oder organisatorisch entwirrt werden muss, desto näher kommt das Projekt meiner Vorstellung von „schlüsselfertig“.

Bei einer schlüsselfertigen Webseite beginnt Vertrauen dort, wo der Kunde nicht mehr alles sehen kann

Ein großer Teil einer Webseite lässt sich unmittelbar beurteilen. Der Auftraggeber sieht die Gestaltung, liest die Texte und erlebt, wie sich die Navigation anfühlt. Er kann die mobile Darstellung auf seinem Smartphone öffnen, Buttons anklicken und das Kontaktformular ausprobieren. So gewinnt er einen ziemlich guten Eindruck davon, ob der neue Internetauftritt zu ihm passt. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Qualität im Verborgenen. Selbst ein interessierter Kunde wird normalerweise nicht kontrollieren, wie Weiterleitungen eingerichtet wurden, welche technischen Erweiterungen voneinander abhängen, ob ein externer Dienst langfristig benötigt wird oder wie eine bestimmte Funktion im Hintergrund konfiguriert wurde.

Das ist kein Mangel an Transparenz, sondern eine normale Eigenschaft spezialisierter Arbeit. Ein Unternehmen beauftragt einen Webdesigner schließlich gerade deshalb, weil es nicht jede technische, gestalterische, redaktionelle und strategische Entscheidung selbst bis ins Detail beurteilen möchte. Interessant wird diese Arbeit deshalb oft an Stellen, die später kaum sichtbar sind. Eine Weiterleitung fällt nicht auf, wenn sie funktioniert. Ein sauber eingerichtetes Formular ist im Alltag unspektakulär, solange jede Nachricht dort ankommt, wo sie erwartet wird. Eine technische Abhängigkeit interessiert niemanden, solange ein Update nicht plötzlich einen zentralen Bereich lahmlegt. Und bei einem Relaunch freut sich kein Besucher über korrekt übernommene URLs – er bemerkt lediglich nicht, dass etwas verloren gegangen ist.

Die sichtbare Webseite ist nur ein Teil der übergebenen Qualität

Gerade hier beginnt das Vertrauensverhältnis zwischen Auftraggeber und Webdesigner. Eine Webseite kann optisch ansprechend sein und gleichzeitig technisch fragil aufgebaut sein. Sie kann schnell laden und dennoch von mehreren Diensten abhängig sein, deren laufende Kosten nie besprochen wurden. Eine mobile Ansicht kann formal responsiv sein und dennoch eine wichtige Aussage so weit nach unten verschieben, dass der Einstieg seine Wirkung verliert. Ebenso kann eine technisch solide Lösung kommunikativ austauschbar bleiben, wenn Gestaltung und Inhalte keinen klaren Bezug zum Unternehmen herstellen. Eine schlüsselfertige Webseite entsteht also nicht allein auf der sichtbaren Ebene und auch nicht allein im technischen Unterbau. Ihre Qualität liegt in der Verbindung beider Seiten.

Ein Laie kann diese Verbindung naturgemäß nicht vollständig kontrollieren. Wenn ein Auftraggeber selbst beurteilen könnte, ob jede Erweiterung sinnvoll gewählt wurde, ob eine URL-Migration fachlich sauber durchgeführt wurde, ob die semantischen Strukturen stimmen, ob Bild- und Schriftlizenzen passen und ob sämtliche technischen Entscheidungen langfristig sinnvoll sind, bräuchte er einen erheblichen Teil der eingekauften Expertise nicht. Daraus ergibt sich für den Anbieter eine besondere Verantwortung. Gerade weil der Kunde nicht ohne Weiteres alles beurteilen kann, darf nichts weniger sorgfältig behandelt werden.

Vertrauen bedeutet jedoch nicht, technische Zusammenhänge geheim zu halten oder Kunden mit einem „Das machen wir schon“ abzuspeisen. Eine gute schlüsselfertige Lösung macht jene Punkte transparent, die für den späteren Betrieb von Bedeutung sind. Wenn eine kostenpflichtige Erweiterung dauerhaft benötigt wird, muss das von Anfang an klar sein. Wenn eine Funktion an einen externen Dienst gekoppelt ist, muss diese Information im Projekt berücksichtigt werden. Wenn bei einem späteren Anbieterwechsel eine besondere technische Konstruktion berücksichtigt werden muss, darf dies für den nächsten Entwickler keine Überraschung sein. Transparenz bedeutet allerdings nicht, Kunden mit jeder technischen Einzelheit zu überfrachten. Vielmehr bedeutet sie, zwischen internem Fachwissen und Informationen, die für Eigentum, Kosten, Kontrolle und Weiterentwicklung wesentlich sind, zu unterscheiden.

Genau deshalb finde ich den Gedanken einer schlüsselfertigen Webseite spannender als ein schlichtes „Webdesign-Komplettpaket“. Ein Komplettpaket zählt auf, was bestellt wird. „Schlüsselfertig” beschreibt dagegen, in welchem Zustand die Leistungen zusammenkommen sollen. Dieser Unterschied mag klein erscheinen, er verändert jedoch die Perspektive: Nicht die Länge einer Leistungsübersicht entscheidet darüber, ob eine Webseite vollständig ist, sondern die Frage, ob nach der Übergabe ein zusammenhängender und kontrollierbarer Unternehmensauftritt vorhanden ist.

Bunte Holzbuchstaben bilden das Wort HOME, an einem Buchstaben hängt ein alter Schlüssel Nahaufnahme mehrerer runder Tasten einer alten Schreibmaschine in Schwarz-Weiß

Die Kontrolle über Domain und Webseite gehört zum Unternehmen

Bei kaum einem anderen Bestandteil wird dieser Gedanke so konkret wie bei der Domain. Sie ist möglicherweise über Jahre hinweg auf Visitenkarten, Fahrzeugen, Geschäftspapieren, in Suchergebnissen und in den Köpfen von Kunden präsent. Deshalb empfehle ich Unternehmen ausdrücklich, den Vertrag mit ihrem Provider direkt selbst abzuschließen und darauf zu achten, dass die Domain auf das Unternehmen bzw. den vorgesehenen Domaininhaber registriert wird. Anschließend erhält der Webdesigner die notwendigen technischen Zugänge und kann Hosting, DNS-Einstellungen, SSL-Zertifikate oder die Installation selbstverständlich betreuen. Die grundlegende Vertragsbeziehung bleibt dennoch dort, wo sie meiner Ansicht nach hingehört: beim Unternehmen.

Diese Vorgehensweise ist nicht gegen eine langfristige Zusammenarbeit mit einer Agentur gerichtet. Im Gegenteil: Ein Unternehmen kann seine technische Betreuung über viele Jahre vollständig abgeben und damit sehr zufrieden sein. Der Unterschied zeigt sich erst, wenn sich etwas verändert. Vielleicht soll ein anderer Entwickler eine spezielle Funktion übernehmen, das Unternehmen möchte den Provider wechseln oder die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Webdesigner endet. Dann sollte nicht zunächst geklärt werden müssen, wem die Domain gehört und ob ihre weitere Nutzung an einen Agenturvertrag gebunden ist.

Ein Administratorzugang ist nicht der Generalschlüssel

Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass mit einem WordPress-Administratorzugang die vollständige Kontrolle über die Webseite übergeben wird, insbesondere nach dem Launch. Tatsächlich gibt es jedoch mehrere Ebenen. Die Domain bezeichnet die Adresse des Internetauftritts, das Hosting stellt dessen technische Umgebung bereit und der Administratorzugang ermöglicht die Verwaltung des Content-Management-Systems. Je nach Vereinbarung kommen E-Mail-Konten, Analysewerkzeuge, externe Buchungssysteme, Schrift- oder Plug-in-Lizenzen und andere Dienste hinzu. Jeder dieser Bereiche kann eigene Verträge, Zugänge und Zuständigkeiten umfassen.

Eine schlüsselfertige Übergabe bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass sämtliche Passwörter auf einem Blatt Papier stehen und der Kunde ab morgen alles selbst administrieren muss. Viel wichtiger ist, dass die Struktur bekannt ist. Der Auftraggeber weiß, welche Verträge unmittelbar bei ihm liegen, welche Dienste von der Agentur betreut werden und welche laufenden Kosten bestehen. Er weiß auch, an welcher Stelle eine spätere Änderung möglich ist. Bei einer .de-Domain beschreibt die DENIC den Providerwechsel beispielsweise über das AuthInfo-Verfahren. Allein daran lässt sich erkennen, warum die direkte Kontrolle über die Domain organisatorisch einen anderen Stellenwert besitzt als der Zugang zu einem bestimmten CMS.

Für mich ist diese Unabhängigkeit ein Teil professioneller Webarbeit. Ein Kunde darf sehr gern bleiben, wenn Zusammenarbeit und Betreuung funktionieren. Er sollte jedoch nicht bleiben müssen, weil sein zentraler Internetauftritt technisch oder vertraglich so eng an einen Dienstleister gebunden ist, dass ein Wechsel unnötig schwierig wird. Gerade bei einer schlüsselfertigen Webseite wäre es widersprüchlich, die Übergabe zu versprechen und gleichzeitig den wichtigsten Teil der Kontrolle außerhalb des Unternehmens zu belassen.

Was bei der Übergabe einer schlüsselfertigen Webseite geklärt sein sollte

Die Größe eines Webprojekts hat erheblichen Einfluss auf den Umfang der Übergabe. So benötigt eine kompakte Firmenwebseite mit wenigen Seiten weder dieselben technischen Systeme noch dieselbe Dokumentation wie ein großer Internetauftritt mit mehreren Standorten, Schnittstellen und besonderen Funktionen. Deshalb halte ich wenig von pauschalen Checklisten, die für jedes Projekt dieselben Anforderungen vorsehen, unabhängig von dessen tatsächlicher Aufgabe. Einige Fragen haben allerdings eine erstaunlich lange Lebensdauer. Sie tauchen oft genau dann wieder auf, wenn eine Webseite längst als abgeschlossen gilt und der ursprüngliche Projektverlauf kaum noch präsent ist.

Beispiele hierfür sind:

  • Domain und Provider: Wer ist Vertragspartner, wer wird als Domaininhaber geführt und wo liegt die technische Infrastruktur?
  • Zugänge und Zuständigkeiten: Welche Administrator-, Hosting- und externen Zugänge erhält das Unternehmen und welche bleiben bewusst in technischer Betreuung?
  • Laufende Kosten: Welche Gebühren entstehen künftig für Hosting, Lizenzen, Plug-ins, Schriften oder andere externe Dienste?
  • Inhalte und Medien: Sind die Nutzungsrechte an Bildern, Texten, Grafiken und anderen eingesetzten Medien nachvollziehbar geregelt?
  • Zentrale Funktionen: Wurden Formulare, Navigationen, Schnittstellen und andere für das Unternehmen wesentliche Abläufe geprüft?
  • Relaunch: Wurden bei der Umstellung auf eine neue Webseite relevante URLs, Weiterleitungen und die bestehende Sichtbarkeit berücksichtigt?
  • Weiterer Betrieb: Wer kümmert sich nach der Übergabe um Updates, Backups, technische Kontrollen und spätere Änderungen?

Die Antworten müssen nicht bei jedem Projekt gleich aussehen. Wichtig ist, dass sie nicht erst nach dem Launch gesucht werden müssen. So kann ein Auftraggeber beispielsweise festlegen, dass eine Agentur auch zukünftig Updates und Backups übernimmt oder eine bestimmte Lizenz über den Dienstleister läuft. Ebenso kann ein Unternehmen einen Teil seiner Inhalte selbst pflegen und alle technischen Arbeiten abgeben. „Schlüsselfertig” bedeutet nicht „maximale Eigenverwaltung”. Es bedeutet, dass die gewählte Aufteilung bekannt und gewollt ist.

Auch der Begriff „individuell” sollte dabei nicht mit „schlüsselfertig” verwechselt werden. So kann eine professionell angepasste Designbasis vollständig und ordentlich übergeben werden, während eine hochgradig individuell gestaltete Webseite organisatorisch unfertig bleibt, wenn zentrale Fragen zu Domain, Lizenzen oder Betrieb nie geklärt wurden. Beide Eigenschaften beschreiben unterschiedliche Dinge: Individualität beschreibt, wie spezifisch Struktur, Sprache und Gestaltung eines Unternehmens entwickelt wurden. „Schlüsselfertig” beschreibt dagegen den Zustand, in dem das vereinbarte Ergebnis übergeben wird.

Was kostet eine schlüsselfertige Webseite?

Aus diesem Grund lässt sich auch aus dem Begriff selbst kein seriöser Preis ableiten. Eine kleinere Webseite mit vorhandener Markenbasis, fertig gelieferten Inhalten und klarer Struktur lässt sich vergleichsweise geradlinig umsetzen. Bei einem anderen Unternehmen müssen hingegen Positionierung, Texte, Seitenarchitektur, Suchintentionen und Gestaltung erst entwickelt werden, während gleichzeitig eine bestehende Webseite mit vorhandenen Rankings übernommen werden soll. Beide Projekte können am Ende schlüsselfertig sein und trotzdem einen völlig unterschiedlichen Aufwand verursachen.

Ein erheblicher Teil dieses Aufwands steckt zudem in Arbeiten, die auf der fertigen Webseite kaum sichtbar sind. Abstimmungen, Prüfungen und Entscheidungen verschwinden später im Ergebnis. Eine Navigation wirkt selbstverständlich, obwohl ihre Struktur im Projekt mehrfach verändert wurde. Eine Startseite vermittelt schnell, worum es geht, weil Inhalte gekürzt, neu gewichtet und gestalterisch anders angeordnet wurden. Ein Relaunch behält vorhandene Suchmaschinenzugriffe, weil vor der Veröffentlichung sowohl die neue als auch die alte Struktur betrachtet wurde. Ein funktionierendes Formular wirkt banal, gerade weil niemand erlebt, welchen Aufwand ein fehlerhaftes Formular verursachen könnte.

Der Preis einer schlüsselfertigen Webseite richtet sich deshalb weniger danach, wie viele sichtbare Module am Ende auf einer Seite stehen, sondern vielmehr danach, welche Entscheidungen notwendig sind, um den vereinbarten Zustand zuverlässig zu erreichen. Wie unterschiedlich dieser Aufwand ausfallen kann, habe ich im Beitrag „Was kostet eine neue Webseite?” ausführlicher erläutert.

Schlüsselfertig bedeutet fertig für die Übergabe – nicht fertig für alle Zeiten

Der vielleicht interessanteste Widerspruch steckt bereits im Begriff selbst. Eine schlüsselfertige Webseite wird als fertiges Projekt übergeben, obwohl eine gute Unternehmenswebseite danach nicht stehen bleibt. Ansprechpartner ändern sich, es entstehen neue Leistungen, Projekte liefern frisches Material und manchmal verschiebt sich die Bedeutung eines Angebots innerhalb weniger Jahre erheblich. Gleichzeitig entwickeln sich technische Systeme, Browser und Geräte weiter. Auch das Suchverhalten und der Wettbewerb verändern sich. Eine zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vollständige Webseite kann deshalb Jahre später inhaltliche oder technische Aktualisierungen benötigen, ohne dass die ursprüngliche Übergabe dadurch nachträglich unvollständig wird.

„Schlüsselfertig” beschreibt also einen definierten Übergabezustand, aber keine Wartungsfreiheit. Diese Unterscheidung ist wichtig, da aus dem Versprechen der Vollständigkeit sonst schnell die unrealistische Vorstellung entstehen kann, nach dem Launch müsse an einem Internetauftritt nie wieder etwas getan werden. Wer Updates kontrolliert, Backups erstellt oder bei technischen Problemen reagiert, muss deshalb bereits vor der Übergabe geklärt werden. Dasselbe gilt für Inhalte. Eine Firmenwebseite sollte sich verändern können, wenn sich das Unternehmen verändert, und nicht unverändert bleiben, nur weil jede Anpassung in einer zu starren Konstruktion unverhältnismäßig kompliziert wäre.

Schlüsselfertig und erfolgreich sind ebenfalls nicht dasselbe

Eine weitere Grenze ist mindestens genauso wichtig. Eine Webseite kann technisch einwandfrei umgesetzt und organisatorisch ordentlich übergeben werden, ohne automatisch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Webdesign kann jedoch die Voraussetzungen dafür verbessern: Ein Angebot wird verständlicher, ein Unternehmen lässt sich besser einordnen, relevante Inhalte können über Suchmaschinen gefunden werden und die Kontaktmöglichkeiten funktionieren zuverlässig. Ob daraus tatsächlich mehr passende Anfragen, Verkäufe oder andere geschäftliche Ergebnisse entstehen, hängt jedoch auch von Angebot, Markt, Preis, Wettbewerb und vielen weiteren Faktoren ab.

Gerade deshalb finde ich es sinnvoll, beide Fragen voneinander zu trennen. Bei einer schlüsselfertigen Webseite lautet die erste Frage: Wurde das vereinbarte Webprojekt vollständig und belastbar übergeben? Die nächste Frage lautet: Wie entwickelt sich dieser Internetauftritt anschließend in seiner tatsächlichen Aufgabe? Mit dieser zweiten Ebene beschäftige ich mich ausführlicher in meinem Beitrag über erfolgreiche Webseiten.

Für meine Arbeit bei 4Bullmann führt diese Trennung zu einer klaren Definition. Eine schlüsselfertige Webseite bedeutet für mich nicht, möglichst viele Positionen in einem Angebot unterzubringen und anschließend „alles inklusive“ darüberzuschreiben. Entscheidend ist, Verantwortung für den Zusammenhang des Projekts zu übernehmen. Das Unternehmen bringt sein Fachwissen, seine Erfahrungen und die notwendigen Richtungsentscheidungen ein. Es soll jedoch nicht selbst dafür verantwortlich sein, dieses Wissen in Seitenarchitektur, Content, Gestaltung, Suchmaschinenoptimierung und technische Umsetzung zu übersetzen oder unterschiedliche Fachleute zu koordinieren.

Wenn zusätzliche Kompetenzen erforderlich sind, müssen diese offen in das Projekt eingebracht werden. Ein Webdesigner wird nicht glaubwürdiger, wenn er vorgibt, zugleich Jurist, Fotograf und Spezialprogrammierer für jede denkbare Aufgabenstellung zu sein. Vielmehr liegt die Verantwortung darin, solche Grenzen zu erkennen, passende Lösungen einzubinden und darauf zu achten, dass an den Übergängen nichts verloren geht. Genau dort entscheidet sich häufig, ob ein Kunde am Ende einen fertigen Internetauftritt erhält oder lediglich die Summe mehrerer erledigter Einzelaufgaben.

Und damit kann der Schlüssel zum Schluss noch einmal zurückkehren. Nach einer schlüsselfertigen Übergabe muss der Auftraggeber nicht verstehen, wie jede technische Entscheidung im Detail entstanden ist. Er sollte jedoch wissen, was ihm gehört, welche laufenden Verpflichtungen bestehen, wer für den weiteren Betrieb zuständig ist und dass die vereinbarte Webseite ihre Aufgabe erfüllen kann. Der entscheidende Punkt ist nicht, dass danach nie wieder jemand etwas daran verändert. Entscheidend ist, dass zum Zeitpunkt der Übergabe keine unangenehme Überraschung auftaucht, die erst noch Teil des Projekts werden muss.

Eine schlüsselfertige Webseite ist somit kein möglichst großes Webdesign-Paket. Sie ist das Versprechen, dass aus allen vereinbarten Arbeiten ein Internetauftritt entstanden ist, den ein Unternehmen tatsächlich übernehmen kann.

Weitere Perspektiven auf Webdesign, Wirkung und Sichtbarkeit

Ein einzelner Beitrag zeigt stets nur einen Ausschnitt. Webdesign entsteht aus vielen Entscheidungen: Sprache, Wahrnehmung, Suchintention, Struktur, Vertrauen und technische Umsetzung sind dabei wichtige Faktoren. Die folgenden Beiträge vertiefen einzelne Aspekte und zeigen, wie sich durch die Verbindung von Gestaltung, Inhalt und Strategie ein erfolgreicher Internetauftritt entwickeln lässt.